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Der Lemming

Lemminge sind gar possierliche und kleine Tiere. Diese Tiere leben in Familienverbände und wirken stets beschäftigt. Sie verbringen den ganzen Winter unterhalb einer Decke voll Schnee, welche alles andere zu bedecken scheint. Diese Nagetiere neigen dazu die Probleme, die sie haben, im Winter vor lauter Schnee nicht zu sehen und leben so umgeben von allen Sorgen unbeschwert weiter. Im Frühjahr scheint allerdings die Ernüchterung zu kommen. Diesen kleinen Wesenheiten wird eine Affinität zum kollektiven Freitod nachgesagt. Sie sollen sich in großen Familienverbänden zusammenrotten und ihren grausigen Plan in die Tat umsetzen. Vermutlich nutzen sie die zweifelhaften Führung eines geistigen Oberhaupts, der den Lemmingen die Erlösung verspricht, wenn diese sich selbst und ihr Leben für ein höheres Ziel aufopfern sollten.


Dem Menschen können zahlreiche Gemütsstimmungen nachgesagt werden. Er ist ebenfalls ein Tier, welches seine Lebenszeit gerne in Familienverbänden verbringt. Diese Familienverbände folgen nachgewiesener Maßen nur ausgesprochen wenige geistigen Führern, welche diese zum kollektiven Freitod auffordert. Nein, dem Menschen fehlt es an ausreichend noch lebenden geistigen Führen, die den kollektiven Freitod überzeugend bewerben können und immer noch am Leben hängen.


Der Mensch neigt dennoch vereinzelnd zu seltsamen Ideen der Lebensnichtführung, wenn irgend etwas mit der Zusammensetzung seines Familienverbandes nicht stimmen sollte. Gerade negative Schwingungen binnen der Verbände sorgen für vielseitige und kuriose Ergebnisse. Tatsächlich kann es nach einer Nacht, in der der Mensch mehrere Stunden in einen viereckigen Kasten geblickt hat und unverständliche Phrasen in die Tastatur getippt hat, damit ein anderer – ein virtueller – Mensch diverse Schritte unternimmt, kommen, dass er selbst Schritte außerhalb einer logischer Grenze vollzieht.


Wenn wir Toni als ein klassisches Exemplar eines Menschen nehmen, werden wir feststellen, dass genau er es ist, welcher derzeit innerhalb eines aus Metall bestehenden Vehikel über die asphaltierte Landstraße braust und scheinbar unlogischer Weise das Lenkrad auf einer geraden Strecke herumreißt, um von der Straße abzukommen.


Toni`s schwarzer Cinquecento springt in hohen Bogen über die Böschung und nimmt genau zwischen drei Bäumen einen unumstößlichen Platz ein. Für einen Moment wird es Toni schwarz vor Augen. Er wacht nach kurzer Zeit auf, nur um festzustellen, dass ihm absolut gar nichts zu fehlen scheint. Er zählt vorsichtshalber noch einmal alle seine Gliedmaßen durch. Es fehlt tatsächlich nicht ein Stück. Selbst der Personal Computer, den er im hinteren Fußraum verstaut hatte, scheint nichts passiert zu sein.


Entweder hat Toni nun noch einen Grund zu denken, dass ihm gar nichts zu gelingen scheint oder er hat ein unwahrscheinlich großes Stück vom Glück gehabt. Der junge Mann hat den Anschlag auf sein eigenes Leben mit Ach und Krach überlebt und windet sich nun aus der Tür seines Autos aus. Zwischen drei Bäumen eingeklemmt, braucht er es nicht einmal versuchen, den Wagen wieder aus dem Graben herauszufahren. Ein Passant liest ihn auf und fährt mit ihm zu seinem Schwager, der dem schweigsamen Jungen erst einmal aufnimmt und ihm die Geschichte vom Seitenwind erst einmal abkaufen möchte.


Es dauert nicht lange, dass er sich seinen zahllosen Problemen immer bewusster wird. Er schockt seine Eltern mit der Nachricht sich in einer psychiatrischen Klinik eingewiesen zu haben. Man hat den Jungen ja immer für etwas sonderlich gehalten, allerdings solle er sich diese Sache noch einmal überlegen.


Die Klinik scheint aber genau das richtige Mittel für ihn zu sein. Hier stellt man ihn ohne Unterlass die Fragen, welche ihm schon lange bewegen und veranlassen ihn immer wieder diese Fragen auch endlich zu beantworten. Wie fühlt er sich, wenn dieses passiert? Was bedeutet es, wenn er jenes macht?


Seine Freundin kommt ihm regelmäßig besuchen und deutet ihn auf sein Fragen hin an, dass er sich über sie und ihre ansonsten zahlreichen Probleme keine Gedanken machen braucht. Ob sie es schaffen würde, Ordnung innerhalb der eigenen Wohnung zu halten, wird mit einem Verweis auf den Gesundheitszustand eines Katers umschifft. Toni ahnte es gleich, sie spielt die gesunde und fröhliche Frau, damit er nicht auch noch mit ihren Problemen belastet werden würde. „Danke, Sabrina!“ denkt er sich.


Die Tage zogen ins Land und er durfte zahlreiche Menschen und Medikamente kennenlernen. Jede Woche scheint sich alles in ihm zu ändern. Er lernt neue Menschen kennen, die ihm ähnlich sind und zum ersten Mal in seinem Leben denkt er, dass er nicht alleine auf der Welt ist und dieser Gedanke ist es der ihn mehr als alle gut gemeinten Worte der Pfleger weiter in einer Grundhaltung hilft, welche er benötigt, um aus der Klinik herauszukommen.


Die Zeit naht nun, dass der junge Mann aus der Klinik entlassen werden soll. Zahlreiche Gespräche wurden mit ihm über seine Krankheit gesprochen und langsam beginnt er selbst schon zu glauben, dass er nicht einfach nur einen Schatten hat, sondern tatsächlich als “krank” beschrieben werden kann. Toni glaubt nun zu wissen, dass er auch in naher Zukunft krank bleiben wird und sich so rasch nichts an diesem Zustand ändern wird. Kaum mehr eine Woche bleibt ihm nun, sich rasch in seiner neuen Situation zurecht zu finden und er selbst fürchtet sich nun. Er muss bald wieder ein Leben ohne die ganzen Mitpatienten und Pfleger führen und genau darin liegt nun auch der Knackpunkt, denn genau dieses Leben, so denkt er, war genau das, was ihn eigentlich krank gemacht hat.


Seine Wohnung ist vermüllt und alle seine Pflanzen sind schon lange von ihm gegangen. Er hat keinen Arbeitsplatz mehr und eine Freundin mit eigenen Problemen. Was kann er nun also vorweisen, was ihn neue Hoffnung geben soll, damit er nicht mehr alles genau so machen sollte, wie er es bislang getan hat?


Nun, man gibt ihm einen Begleiter an die Hand. Er kommt von einer Organisation, welche sich darauf spezialisiert hat Menschen wie Toni zu helfen. Der freundliche Mitarbeiter “Herr Schmidt” erzählt ihm, worauf er in naher Zukunft achten soll und was er noch an Behördengänge zu erledigen hat. Ja, zu einem Teil bereitet er sogar alles vor. Welch eine große Hilfe Herr Schmidt doch darstellt, mag man nun glauben.


Er schickt ihn in eine Begegnungsstätte für psychisch kranke Menschen hinein. Hier soll man zahlreiche andere Tonis antreffen können. Man kann dort sicherlich jemanden für einen schönen Schnack gewinnen. Nun ja, die sind zwar alle im Schnitt 20 Jahre älter als Toni, aber darüber wird man sicherlich hinwegsehen können, denn irgendein junger Mensch muss ja schließlich den Anfang machen!


Toni fühlt sich dort allerdings nie wirklich wohl und geht dort eigentlich nur hin, um Herrn Schmidt`s Fragen ausweichen zu können. Irgendwie scheint dieser alte Mann den Buben nicht wirklich verstehen zu können. Verständnis außerhalb der Klinik zu bekommen, scheint der Umwelt ohnehin schwer zu fallen. Zahlreiche bekannte Gesichter der Vergangenheit melden sich zwar bei Toni und diese behandeln ihn sogar wie ein rohes Ei, allerdings können auch diese Menschen nicht wirklich Verständnis für seine Situation vermitteln. Nein, auf einmal ist er aus dem Elfenbeinturm “Klinik” in die harte Wirklichkeit geschuppst worden. So sehr er sich in der Klinik nach seiner Freiheit gesehnt hat, so hat er nun Sehnsucht nach den Mitpatienten in der Klinik. Er will wieder verstanden werden.


Toni hat aus der Klinik eine Frage mitgenommen. Er wurde immer wieder gefragt, was er nun eigentlich wolle, was seine Probleme seien und wohin der Weg nun gehen solle. Bis heute kann Toni diese Fragen nicht beantworten. Er zermartert sich täglich den Kopf, doch scheint ihm selbst nicht wirklich klar zu werden, was er nun eigentlich für eine Person ist.


Er weis nur eines, sein Leben wie er es geführt hat, hat ihn krank gemacht und es ist sicherlich auch diesem Bewusstsein zu verschulden, dass er nun begonnen hat sein gesamtes Leben in Frage zu stellen. Seine Freundin langweilt ihm und die täglichen Fernsehorgien, die sie sich gönnt, sind auch eher ihre Welt denn die seine. Was sie redet scheint sich in einer anderen Dimension zu befinden und was sie tut ist auch eher das, was ihn krank gemacht hat. Er kann derzeit keine Gefühle für diesen Menschen teilen, was ihm natürlich sehr leid tut, denn man liebte sich ja so.


Sein Leben so zu gestalten, wie er es benötigt, ist nun seine primäre Aufgabe. Der Junge sieht allerdings in der Masse der Leute eher Personen, die alles daran setzen sein Leben zu versauen. Toni sieht in den vielen Absagen auf seinen Bewerbungen genau die Gemeinheiten, die er auch sieht, wenn namenlose und ebenso zahlreiche Behörden ihm auf Grund von Forderungen an das alte Leben nun Zwangsgelder fordern.


Er, der nun ein neues Leben beginnen wollte, muss sich nun durch einen Stapel von Papieren voller Absagen und Androhungen auf Zwangsgeldern durchschlagen. Dies erfordert von ihm einen großen Schwung von Kraft, die er bei sich noch erst noch entdecken muss. Derzeit sieht er allerdings keinerlei Möglichkeit das alles alleine zu meistern. Herr Schmidt ist inzwischen schon von Dannen gezogen. Ein Arzt, den er in der Freiheit konsultieren musste, konnte einen Bedarf an Hilfe von Herrn Schmidt nicht erkennen.


Toni weis nun, dass er alleine ist und das er seine Probleme aus dem alten Leben kaum alleine angehen kann. Er findet seine alten Vorlieben für langweilig und überholt und weis noch nicht, was ihm nun Freude bereiten kann. Früher war alles leichter für den jungen Herren; er konnte sich immer wieder in die Welt seiner Lieblingsfernsehserie flüchten und so nicht nur von fremden Galaxien und rätselhaften Außerirdischen träumen, sondern darin aufgehen und darin leben können.


Dies alles wurde ihm durch die Klinik und der Zeit danach genommen. Er ist nicht mehr die Person, die er einst war und einer neuen Person mag man in der Gegenwart keine Chance bieten. Das Leben ist eine Zeit in der die Freiheit nur eine Illusion ist.


Lemminge sind gar possierliche und kleine Tiere. Sie sind die Lebewesen mit den wohl geringsten Sorgenpool. Diesen Nagetieren wird ein besonderer Umgang mit deren Problemen nachgesagt. Sie sollen sich namenlosen Rädelsführern anschließen, um die kollektive Erleuchtung zu erhalten. Diese Erleuchtung scheint für die Lemminge nur ausgesprochen schwer greifbar zu sein. Die Lösung derer Probleme scheint demnach in den Freitod zu liegen.


Niemand würde einen Lemming wegen seinem Triebe verurteilen. Es liegt in ihm drin und wird ihn eines Tages einholen. Dem Zuschauer bleibt nur das Betrachten dieser Szenerie übrig und vielleicht darf er auch noch ein- oder zweimal den Kopf schütteln, den etwas Produktives beisteuern kann er leider nicht.


Jeder Lemming stirbt für sich allein.


4.8.09 18:49


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Fundstück aus dem Internet

(natürlich mit Erlaubnis des Autors)

 

Regelsatz 132 € ????

An die Herren Professoren
Friedrich Thießen und Christian Fischer
TU Chemnitz,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
E-Mail: finance@wirtschaft.tu-chemnitz.de
Gert Flegelskamp
Rhönstr. 17
63071 Offenbach
eMail: gert@flegel-g.de



Sehr geehrte Herren,

Für Ihre Studie "Die Höhe der Sozialen Mindestsicherung" möchte ich recht herzlich danken. Ich finde die Studie genial und bin davon überzeugt, dass, im Falle man folgt Ihren Ratschlägen, das Arbeitslosen- und Sozialhilfeproblem schnell behoben sein wird.

Betrachte ich mir ihren Warenkorb, haben Sie wirklich an alles gedacht. Na ja, nicht wirklich, also sagen wir an fast alles. Natürlich werden die ewigen Nörgler einzuwenden haben, dass schon die Grundlage der Regelsatzberechnung des Bundes aus zwei Gründen keinen Bezug zu den echten Lebenshaltungskosten haben kann, denn

  1. sie ist bereits veraltet, bevor sie an die Regierung verteilt wird, denn die erhobenen Daten (Erhebungsjahr 2002) werden erst im Folgejahr verarbeitet bzw. berechnet/hochgerechnet. In der Erfassung sind auch all die Dinge, die sich das untere Quintal ohnehin nicht leisten kann. Erst Ende 2003 wurden die Daten präsentiert und erst im 2. Halbjahr 2005 hat Herr Müntefering das aufgrund der Bearbeitung seines Ministeriums erkannt, dass die Berechnung der Regelsätze genau dem Zahlbetrag entspräche. Real gesehen waren also die Daten von 2002 die Grundlage für die Regelsatzberechnung 2005, gültig bis 2010.
  2. die im unteren Quintal der aus der EVS für die Ermittlung der Regelsätze ausgesuchte statistische Bevölkerungsgruppe ist überproportional mit Kleinstrentern besetzt, deren Einkommen zu einem erheblichen Teil unterhalb der Sozialgrenze liegt, die aber aus Unwissenheit oder Scham keinen Antrag auf Aufstockung stellen. Das Besondere an dieser Gruppe ist, dass sie nur noch wenig isst, Kleider und Schuhe aus der Vergangenheit aufträgt, keine kulturellen Veranstaltungen mehr besucht und auch in anderen Bereichen keine Interessen mehr hat.
Aber mit solchen Kleinigkeiten wollen wir uns ja nicht lange aufhalten. Was macht schon das bisschen Inflation? Wird sie nicht immer vom Stat. Bundesamt so schöngerechnet, dass sie kaum ins Gewicht fällt?

Auch könnten solche Querulanten auf die Idee kommen, Ihr Warenkorb und ihre Regelsatzberechnung wären divergent, weil Sie z. B. einen Zuschuss zur Krankenkasse in Ihrer Aufstellung berücksichtigt haben (A2) , bei der Berechnung der Regelsätze diesen aber nicht berücksichtigt haben. Aber Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger sollten auch nicht krank werden. Schließlich tun sie ja nichts. Außerdem kommen Krankheiten ja von selbst, dann sollen sie gefälligst von selbst auch wieder gehen. Also streichen wir einfach den Arztbesuch (10 € im Quartal), lassen auch den Zahnarzt und den Optiker links liegen und Medikamente sind ohnehin zu teuer.

Kritisch anmerken würden diese Stänkerer dann vielleicht auch, dass Arbeitslose in der Regel eine Eingliederungsvereinbarung abschließen müssen, in der sie sich verpflichten, mindestens 10 Bewerbungen im Monat nachzuweisen. Das können Vorstellungsgespräche oder schriftliche Bewerbungen sein. Dazu muss jeweils eine saubere Bewerbungsmappe erstellt werden und man muss sich auch persönlich vorstellen. Sie haben in Ihrer Studie von einem Ticket der CVAG gesprochen. Dabei geben sie den günstigsten Preis mit 23,- € an, den Durchschnittspreis mit 37,- €, nur konnte ich keine Erklärung finden, was den Unterschied ausmacht. Sie würden hier im Raum Frankfurt (RMV) dafür vielleicht eine Wochenkarte für zwei Tarifgebiete bekommen (im ungünstigsten Fall 2 Haltestationen), keinesfalls aber ein Monatsticket. Ob ein Arbeitsloser damit seinen Verpflichtungen nachkommen könnte, ist recht zweifelhaft, denn er muss ja teilweise auch in Nachbarorte für eine Vorstellung fahren. Aber wir wissen ja aus der Zeitung für Intellektuelle (BILD), dass sich die Arbeitslosen ohnehin drücken, ist doch ihr Leben völlig ausgefüllt mit Glotze, Schwarzarbeit und Sex mit der oder dem Partner(in), wobei die eheähnliche Gemeinschaft im Fragebogen der BA verschwiegen wird.
Wie das mit der Schwarzarbeit funktioniert, das habe ich mich schon oft gefragt (350 Mrd. im Jahr, sagt Prof. Schneider aus Linz). 360 Mrd. im Jahr, das sind im Monat 30 Mrd., verteilt auf 6 Millionen ALG-Empfänger, das mach 5.000 € jeden Monat auf die Kralle. Da würde ich auch gerne arbeitslos sein. Und was erst die Unternehmer an Steuern und Sozialabgaben sparen, die diese 6 Millionen schwarz arbeiten lassen. Böse Zungen meinen ja, das wäre Betrug am Staat, mit Schwarzarbeitern Steuerhinterziehung zu begehen. Was für ein Unsinn. Leute mit Geld betrügen den Staat nicht, sie probieren lediglich ein steuerbegünstigtes Finanzkonzept aus und finanzieren mit den Einsparungen evtl. die aufreibende Arbeit unserer Politiker oder auch Studien wie diese. Vielleicht könnten Sie und Herr Schneider sich zusammentun, diese Schwarz-Arbeitsplätze suchen und finden, in 400.- € Jobs oder EEJ umwandeln und schon wären alle Probleme gelöst. Aber Schwarzarbeit ist ja ein anderes Thema.

Nörgler finden ja immer was. Sie haben doch extra betont, dass die Wohnkosten nicht eingerechnet wurden, dabei die Strom- und Wasserkosten zu den Wohnkosten gerechnet. Das ist auch richtig, denn diese Kosten fallen ja durch das wohnen an. Wenn man die Wohnkosten nicht einrechnet, interessieren die Rechnungen für Strom und Wasser auch nicht.
Theoretisch könnten sich die Arbeitslosen ja am Morgen waschen, denn Seife bekommen sie ja, nur praktisch nicht, denn Wasser gibt es nicht. Theoretisch könnten Sie auch die ihnen zugestandenen 2,4 KG Reis oder Nudeln kochen, aber praktisch nicht, denn sie haben kein Wasser und keinen Strom. Der Genuss roher Kartoffeln ist zwar gewöhungsbedürftig, aber ein wenig Eigenverantwortung müssen die Arbeitslosen schon beweisen. Der Wassergehalt roher Kartoffeln ersetzt dann sicher auch die nicht vorgesehene Tasse Kaffee oder Tee. Auch der zugestandene Fernseher wird auf die Dauer langweilig, weil die Auswahl der Programme mangels Strom sehr stark eingeschränkt ist. Da kann es dann schon mal passieren, dass jemand den Fernseher in die Ecke oder aus dem Fenster wirft. Vielleicht sollten sie deshalb die Leistungen für einen Fernseher ein wenig erhöhen, denn da erscheinen mit 1,37 € (in der Maxiversion) ein wenig zu kurz bemessen.

Getränke zu den Mahlzeiten, außer vielleicht einem Viertel Liter Milch am Tag stehen einem Arbeitslosen nicht zu (das Wasser in der Maxiversion (1,5 ltr. am Tag) geht wohl für Waschen und Zähneputzen drauf). Betrachte ich mir die angegebenen Preise, steigen Tränen in meine Augen. Warum wohne ich nicht in Chemnitz, wo ich 100 g Brot für 5 Cent bekomme, das Pfund (500 g) für 25 Cent. Ich zahle hier glatt 99 Cent im billigsten Discounter. Auch die Milch für 49 Cent ist hier 30 Cent teurer. Von den anderen Preisen gar nicht zu reden.

Fassen wir zusammen: Arbeitslose haben keinen Anspruch darauf, sich zu waschen, ihre Nahrungsmittel zu kochen (aber züchten wir da nicht Kannibalen heran, wenn die mangels Strom ihr Fleisch roh verzehren müssen?), Ihre Wäsche zu reinigen, ihre Lampen auch zu nutzen und müssen in Läden kaufen, die, betrachte ich mir die Preise, irgendwo im Schlaraffenland liegen müssen. Fährt die CVAG da hin?

Ich finde das genial. Da wird so viel gemeckert, weil ein paar der Leute verhungert sind. Das schließen Sie aus. Sie lassen sie in einem Berg von Brot, Gemüse und Fleisch verhungern und verdursten. Genial finde ich auch die Frage an ihre Studenten, ob man die Arbeitslosen als Gegenleistung für die 132,- € arbeiten lassen sollte. Möglicherweise haben einige Ihrer Studenten schon gemerkt, dass man in den Semesterferien keinen Job mehr bekommt, aber im Großen und Ganzen haben die vom Arbeitsmarkt Null Ahnung und somit auch keine Vorstellung davon, wo der Gegenwert in Form von Arbeit herkommen soll, in den sie Arbeitslose drängen wollen. Dieses Nichtwissen war dann natürlich behilflich, dem vorbestellten Ergebnis der Studie zu dienen und dabei noch Umfragewerte anzuführen. Ich hätte da ein paar Vorschläge. Vielleicht jedem Professor ein Butler, ein Dienstmädchen und eine zusätzlich Haushaltskraft, für jeden Studenten eine(n) Arbeitslose(n), der ihnen ihre Arbeiten und Dissertationen schreibt (es gibt schließlich genug arbeitslose Akademiker).

Aber, meine Herren, Sie wissen, dass es in der Wissenschaft nicht reicht, eine mit einem defekten Taschenrechner errechnete Theorie aufzustellen. Eine seriöse Studie muss mit einem Feldversuch die Stimmigkeit der Theorie beweisen. Ich halte für einen korrekten Beweis eine EVS-Periode für angebracht. Ich würde mich gerne an dem Versuch beteiligen und schlage Ihnen deshalb vor, Sie leben fünf Jahre von den 132,- € aus dem errechneten Ergebnis Ihrer Studie. Ihre fortlaufenden Bezüge aus Steuergeldern werden in dieser Zeit an mich überwiesen und ich teste in dieser Zeit, welche obskuren und irrelevanten Schnapsideen ich produziere, wenn ich monatlich die hohen Bezüge eines Hochschulprofessors verprassen muss. Nach 5 Jahren veröffentlichen wir dann unsere Ergebnisse und die Welt erfährt dann endlich genau, dass 132,- € im Monat reichen, wenn man arbeitslos ist, denn Sie habe es ja 5 Jahre lang im Selbstversuch bewiesen. Ich kann dann beweisen, welchen Irrwitz man produziert, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann.

Zum Schluss noch einmal, die Studie ist echt scharf. Wäre ich Obelix, würde ich Sie als Römer einstufen und Sie wissen sicherlich, welchen Lieblingsausspruch Obelix über die Römer äußert. Aber natürlich bin ich nicht Obelix, ich kann mir nur seine Überlegungen zu Eigen machen. Eine Frage habe ich noch, wer hat Sie für diese Studie bezahlt? Ich meine, neben dem Steuerzahler. (BDI? BDA? INSM? Der Bürgerkonvent?). Es ist schön, zu wissen, dass Hetzpropaganda Einzug in die wissenschaftliche Arbeit gefunden hat. Es wird schließlich Zeit, dass man sich von der irrigen Ansicht trennt, dass Wissenschaft Wissen schafft.

Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp
10.8.09 16:35





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